Assad und das Giftgas

Die Faktenlage sei klar, liest man in den meisten Medien. Das Giftgas, das am 4. April in Chan Scheichun verwendet wurde, stammt von den syrischen Regierungstruppen. Es werden dafür einige Indizien vorgelegt wie zum Beispiel den Bericht von Augenzeugen über Luftangriffe und auch Satellitenbilder. Allerdings weiß jeder, der sich für die modernere Geschichte interessiert, dass Zeugen sich täuschen oder kaufen lassen und das Satellitenbilder auch nicht immer die Wahrheit wiedergeben (Stichwort: Massenvernichtungswaffen).

Geht man kriminalistisch vor, stellt sich erst einmal die Frage nach dem Motiv. Dabei muss eines festgestellt werden. Der Angriff kam ca. 1 Woche, nachdem Donald Trump erklärte, er könne sich durchaus eine politische Lösung in Syrien mit Assad vorstellen. Seltsam, dass der Syrer ausgerechnet danach einen Giftgasangriff startet und das ohne Not. Wenn die syrische Armee so salopp mit chemischen Waffen umgeht, warum wurden dann in der Schlacht um Aleppo keine eingesetzt? Ein wirklich plausibles Motiv hat Assad also nicht.

Wie sieht es mit seinen Gegnern aus? – Zu denen zähle ich nicht nur die Rebellen, sondern auch die Staatschefs, die ihn unbedingt entmachten wollen. Ein Giftgasangriff, der es dem amerikanischen Präsidenten unmöglich macht, an Assad festzuhalten, wäre ein starkes Motiv. In den Wirren des Krieges lassen sich leicht Spuren verwischen und eigene Handlungen dem Gegner zuschieben. Das kam und kommt immer wieder vor. Und letztlich sind fast alle Kriege aufgrund solcher “Fakten” entstanden.

Wir sollten uns bei einer so unübersichtlichen Lage fragen, wer ein Motiv zu einer solchen Tat hat. Denn es wird in der Politik selten ohne Motiv gehandelt.

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