Ihre Atome sehen heute ja wieder zauberhaft aus

Es ist manchmal schon niedlich, wie wir den Wissenschaftlern an den Lippen hängen und uns jede neue Theorie zu Herzen nehmen. Wer zweifelt da noch daran, dass Religion ein menschliches Grundbedürfnis ist. Unser moderner Glaube heißt Wissenschaft. Und er hat in seinem Weltbild mindestens genauso viele Lücken und logische Fehler, wie andere Religionen. So eine Behauptung grenzt natürlich an Blasphemie.

Aber betrachten wir uns einmal die Säulen, auf denen unser rationalistisches Weltbild aufgebaut ist. Wissenschaft beruht auf empirische Erhebungen – also auf die Wahrnehmung unserer Sinne. „Ich glaube nur das, was ich sehe“ (mit meinen Sinnen erfassen kann). Nun ist es allerdings so, dass wir schätzungsweise nur etwa 5% von dem wahrnehmen können, was um uns herum geschieht. Das ist so, als schaue man durch ein Schlüsselloch und versuche anhand des Gesichtsfelds ein ganzes Zimmer zu beschreiben. Wir sehen ein Tapetenmuster und schließen daraus, dass es an allen vier Wänden zu finden ist.

Das Beispiel lässt erahnen, wie fragil das ist, was wir „Wissen“ nennen. Auch das Fundament der Wissenschaft beruht weitgehend auf Glaube. Nur glauben die Forscher eben nicht unbedingt an Gottheiten, sondern an bestimmte Grundsätze, zum Beispiel: „Die Wirklichkeit kann man mit Sinnen oder Messinstrumenten erfassen“ oder „Die Naturgesetze gelten überall im Universum“. Nachprüfen lässt sich das genauso wenig, wie sich die Existenz eines Gottes beweisen lässt.

Doch zurück zum Schlüsselloch. Nun ist es ja nicht so, dass von dem, was wir wahrnehmen können, auch wirklich alles in unserem Bewusstsein ankommt. Nein, unser Gehirn sortiert bestimmte Eindrücke aus – nämlich alles das, was ihm in seiner jahrelangen Erfahrung und jahrtausendelanger evolutionärer Entwicklung als unwichtig erscheint. Das muss man sich wie einen Filter vorstellen. wäre das nicht so, wir würden durch die einströmende Informationsflut den Verstand verlieren – womit ich nicht behaupten will, dass wir ihn nicht längst verloren haben (schau nur einmal einen Abend lang RTL…). Es ist also durchaus kein dummer Spruch, wenn gesagt wird: Man sieht nur das, was man sehen will. Tatsächlich sortiert unser Gehirn viele Eindrücke aus, die zu keinem unserer Denkmuster passen. Auch das Argument: „Wenn viele das gleiche sehen, muss es wahr sein“ zählt nicht. Naturwissenschaftlich begabte Menschen ähneln sich schließlich in ihrer Denkstruktur. Möglich, dass sie alle an der gleichen Stelle einen „blinden Fleck“ haben.

 

Der Unterschied zwischen einem Stein und einer Schildkröte

In den letzten Jahren stößt das wissenschaftliche Weltbild an seine Grenzen. Werden doch mit jeder neuen Entdeckung, auch unzählige neue Fragen aufgeworfen – das ist sehr anschaulich im Bereich Elementarteilchenforschung. Zweifel daran, ob das Analysieren, d. h. das Zerhacken der Welt in immer kleinere Teile, zu einem größeren Verständnis führt, sind durchaus angebracht.

Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Wissenschaftlich gesehen, ist der Unterschied zwischen einem Stein und einer Schildkröte nicht sonderlich groß. Im Stein sind die Atome in Kristallgittern angeordnet, in der Schildkröte fügen sie sich zu lange Ketten von Proteinen und Fetten zusammen.

Aber das reicht noch nicht. Selbst wenn man alle Bestandteile des Tiers in der exakten Menge auf einen Haufen schütten würde, wäre es doch nur eine glibberige Masse. Was ist also der Unterschied? Natürlich: Leben! Ein Stein lebt nicht.

 

 

So ein Zufall

Wenn wir uns einmal die Eigenschaften des Lebens betrachten, ist die herausragendste: Leben will leben. Selbst in noch so kleinen Samenkörnern und Sporen ist ein unbändiger Wille zur Existenz. Den hat ein Stein nicht. Oder kämpfen die Alpen etwa um ihren Erhalt?

Unser rationalistisches Weltbild, sagt ja nun, dass ein noch nicht gänzlich erforschter Zufall, Atome zur ersten Proteinverbindung brachte. Gehen wir einmal davon aus, dass es mehrere Male passierte, dann verbanden sich dies Moleküle nun ihrerseits zu Einzellern – auch das muss rein zufällig geschehen sein, denn einen zwingenden Grund gibt es dafür nicht.

Fassen wir zusammen: Wir glauben, dass sich zufällig einige Atome zu Proteinketten verbanden und dann kamen Blitz und Donner und –peng- sie wurden lebendig. So entwickelten sich die ersten Einzeller. Es waren also Blitz, Donner und eine wabbelnde Ursuppe, die aus Molekülen Wesen mit Lebenswillen machten. Und das halten wir für eine realistische Erklärung!

Wenn dagegen irgendwelche Spinner mutmaßen, es könne außer der stofflichen Ebene noch eine andere geben, die vielleicht nicht so einfach mess- und wahrnehmbar sei, schütteln wir milde lächelnd den Kopf. Die Leute behaupten vielleicht auch noch, dass diese andere Ebene sich mit der Materie verbindet und sie dadurch erst lebendig werden lässt. Das ist doch absoluter Quatsch, nicht wahr?

 

Ich bin ein Spinner

Nun muss ich mich outen. Denn ich bin ein solcher Spinner. Ich bin der Meinung, dass eine Lebenskraft außerhalb der materiellen Welt existiert. Gerade wenn man viel mit Sterbenden zu tun hat, ist sie sehr augenscheinlich. Die Beobachtung ist immer dieselbe: Das Leben tritt langsam (manchmal auch schneller) aus einem Menschen heraus. Nicht, dass da eine glitzernde Wolke über dem Kranken schwebt. Nein, es verlässt etwas seinen Körper, was ihn von einem belebten Organismus zu einem überspitzt gesagt »Gegenstand« macht. Wer solche Momente öfter erlebt, weiß, dass in diesen Augenblicken nicht nur das Herz und Gehirn aufhören zu arbeiten. Es ist eher so, dass etwas den Körper verlässt, was ihn vorher zusammenhielt.

Auch meine Beobachtung ist natürlich subjektiv und von dem beeinflusst, was mein Gehirn als wichtig erachtet. Allerdings behaupte ich auch nicht, die einzig gültige und objektive Wahrheit zu verkünden.

 

Ein Vorschlag zur Güte

Wir blicken ständig durch das Schlüsselloch und analysieren jeden Strich auf dem Stückchen Tapete, das wir erkennen können. Sollten wir nicht besser nach dem Schlüssel suchen, mit dem man die Tür öffnen kann?

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