Positionspapier PEGIDA

PEGIDA veröffentlichte vor ein paar Wochen ein Positionspapier. Ich möchte hier die jeweiligen Punkte kurz kommentieren:

 

1. PEGIDA ist FÜR die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen und politisch oder religiös Verfolgten. Das ist Menschenpflicht!

Warum nennt ihr euch dann “Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes”? Die meisten Flüchtlinge, die zur Zeit nach Europa kommen, haben den Islam als Glaube. Oder wollt ihr nur die christlichen Flüchtlinge aufnehmen?

 

2. PEGIDA ist FÜR die Aufnahme des Rechtes auf und die Pflicht zur Integration ins Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland (bis jetzt ist da nur ein Recht auf Asyl verankert)!

Liebe Leute, Integration ist nicht nur eine Sache des Staates. Da können wir das Grundgesetz noch so sehr schönschreiben. Wenn die Bevölkerung – das sind wir – nicht auf die Leute zugehen und ihnen die Hand anbieten, wird keine Integration gelingen, auch wenn sie im Grundgesetz steht.

 

3. PEGIDA ist FÜR dezentrale Unterbringung der Kriegsflüchtlinge und Verfolgten, anstatt in teilweise menschenunwürdigen Heimen!

Es steht jedem von uns frei, Flüchtlinge bei sich aufzunehmen, wenn er über ausreichend Platz verfügt. Oder steckt da der Gedanke dahinter: Wir wollen die Flüchtlinge nicht menschenunwürdig unterbringen, deshalb lassen wir sie erst gar nicht herein?

 

4. PEGIDA ist FÜR einen gesamteuropäischen Verteilungsschlüssel für Flüchtlinge und eine gerechte Verteilung auf die Schultern aller EU-Mitgliedsstaaten! (Zentrale Erfassungsbehörde für Flüchtlinge, welche dann ähnlich dem innerdeutschen, Königsteiner Schlüssel die Flüchtlinge auf die EU-Mitgliedsstaaten verteilt)

Nach welchen Kriterien sollen die Flüchtlinge verteilt werden? Nach Reichtum des Staates? Dann könnte der Schuss nach hinten losgehen…

 

5. PEGIDA ist FÜR eine Senkung des Betreuungsschlüssels für Asylsuchende (Anzahl Flüchtlinge je Sozialarbeiter/Betreuer – derzeit ca.200:1, faktisch keine Betreuung der teils traumatisierten Menschen)

Wisst ihr, was man auch tun kann, anstatt nach Sozialarbeitern zu schreien? Man kann sich ehrenamtlich engagieren, kann zu den Flüchtlingen hingehen und mit ihnen reden. Tatsächlich, das geht! Ich habe es schon selbst ausprobiert. Es können nämlich nicht nur Sozialarbeiter die Menschen unterstützen, sondern jeder einzelne von uns. Geht doch am nächsten Montag statt auf die PEGIDA-Demo einfach mal in ein Asylantenheim.

 

6. PEGIDA ist FÜR ein Asylantragsverfahren in Anlehnung an das holländische bzw. Schweizer Modell und bis zur Einführung dessen, FÜR eine Aufstockung der Mittel für das BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) um die Verfahrensdauer der Antragstellung und Bearbeitung massiv zu kürzen und eine schnellere Integration zu ermöglichen!

– oder eine schnellere Ausweisung? – Wie gesagt, Integration ist nicht nur Sache des Staates. Wenn die Bevölkerung bei der Integration nicht mitarbeitet, hilft auch kein schnelleres Asylverfahren.

 

7. PEGIDA ist FÜR die Aufstockung der Mittel für die Polizei und GEGEN den Stellenabbau bei selbiger!

Wegen der Asylsuchenden oder wegen euch?

 

8. PEGIDA ist FÜR die Ausschöpfung und Umsetzung der vorhandenen Gesetze zum Thema Asyl und Abschiebung!

Das heißt?

 

9. PEGIDA ist FÜR eine Null-Toleranz-Politik gegenüber straffällig gewordenen Asylbewerbern und Migranten!

Ich bin für eine Null-Toleranz-Politik für alle straffällig gewordenen Mitmenschen – egal woher sie kommen.

 

10. PEGIDA ist FÜR den Widerstand gegen eine frauenfeindliche, gewaltbetonte politische Ideologie aber nicht gegen hier lebende, sich integrierende Muslime!

Heißt das im Umkehrschluss, die meisten anderen Muslime sind frauenfeindliche, gewaltbetonte und politische Ideologen?

 

11. PEGIDA ist FÜR eine Zuwanderung nach dem Vorbild der Schweiz, Australiens, Kanadas oder Südafrikas!

Das sind ziemlich radikale Vorbilder. Die Zuwanderungspolitik Australiens wird zum Beispiel von vielen (auch Australiern) als menschenverachtend bezeichnet.

 

12. PEGIDA ist FÜR sexuelle Selbstbestimmung!

Prima! Das hat auch etwas mit Gleichberechtigung von Mann und Frau zu tun. Und ein Ergebnis davon ist das, was ihr in Punkt 17 ablehnt.

 

13. PEGIDA ist FÜR die Erhaltung und den Schutz unserer christlich-jüdisch geprägten Abendlandkultur!

Super! Dann handelt doch bitteschön auch christlich. Jesus sagte: “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.” Geht zu den Asylsuchenden hin, unterstützt sie. Seid nett zu ihnen. Das wäre christlich! Ansonsten weiß ich nicht, was ihr erhalten wollt.

 

14. PEGIDA ist FÜR die Einführung von Bürgerentscheidungen nach dem Vorbild der Schweiz!

Das könnte nach hinten losgehen.

 

15. PEGIDA ist GEGEN Waffenlieferungen an verfassungsfeindliche, verbotene Organisationen wie z.B. PKK

Diesem Punkt stimme ich fast zu, nur die Begrenzung auf verfassungsfeindliche Organisationen stört mich. Es waren die Waffenlieferungen des Westens, die die Misere  z.B. im Irak, in Afghanistan, in Libyen und in Syrien überhaupt erst angerichtet haben.

Hier ein interessanter Artikel dazu, anlässlich des Anschlags in Paris: https://www.freitag.de/autoren/linkspazi/charlie-hebdo-gefuehle-instrumentalisieren

 

16. PEGIDA ist GEGEN das Zulassen von Parallelgesellschaften/Parallelgerichte in unserer Mitte, wie Sharia-Gerichte, Sharia-Polizei, Friedensrichter usw.

Das klingt so, als wäre das alles momentan zulässig.

 

17. PEGIDA ist GEGEN dieses wahnwitzige “Gender Mainstreaming”, auch oft “Genderisierung” genannt, die nahezu schon zwanghafte, politisch korrekte Geschlechtsneutralisierung unserer Sprache!

Was hat denn das mit Islamisierung zu tun????

 

18. PEGIDA ist GEGEN Radikalismus egal ob religiös oder politisch motiviert!

Dann seid ihr zumindest gegen einen Teil eurer eigenen Anhänger.

 

19. PEGIDA ist GEGEN Hassprediger, egal welcher Religion zugehörig!

Ich bin auch gegen Leute, die Hass verbreiten, Angst säen und sich  für eine herzlose, menschenverachtende Politik einsetzten. Deswegen bin ich auch GEGEN euch!

 

 

 

 

3 Antworten auf „Positionspapier PEGIDA“

  1. Ich habe mir deine Argumente einmal durchgelesen. Du bist ziemlich voreingenommen und schiebst manche Missstände der Pegida zu. Fakt ist doch nun einmal, dass wir Probleme haben. Flüchtlinge werden in Heimen konzentriert statt integriert. Der Verteilerschlüssel ist nun einmal 200:1.Und was nicht im Grundgesetz steht wird von den Politikern nun einmal auch nicht als wichtig angesehen. Wäre ja auch gleichzeitig ein Zeichen für alle. Da helfen auch deine Freiwilligen-Aufrufe nichts. Es ist zu wenig und zu wenige engagieren sich. Warum?

    Und ganz ehrlich: Pegida verbreitet Hass. Dann analysier einmal die Medien. Ganz unvoreingenommen (falls das überhaupt geht). Kennzeichen in irgend einer Tageszeitung mal die Artikel mit negativem Inhalt. Ganz abgesehen davon, dass wir grundsätzlich einseitig informiert werden. Schon mit der Muttermilch wird dir gesagt, wer gut und wer böse zu sein hat. Nirgends wirst du einmal Pro und Contra zu welchem Thema auch immer finden. Und da soll der mündige Bürger seine eigene Meinung bilden können? Verrate uns mal wie das gehen soll.

    Genau so verrate uns einmal, wie auf der Grundlage dieses Positionspapiers Hass gepredigt wird? Du behauptest das ja einfach im letzten Punkt indirekt.

    Schlusswort: Pegida ist keine einheitliche Organisation. Es sind regionale Vereine mit regionalen Eigenheiten. Hier geht Pro NRW mit ihnen zusammen, dort gehen erst 7000, eine Woche später 15000 und eine Woche später 25000 Menschen auf die Straße zum Spaziergang (ist nämlich keine Demonstration). A: Warum werden es so viel mehr? B: Warum werden sie zuerst radikalisiert, dann verboten und letztlich kriminalisiert? Warum wird der Leiter der Landeszentrale für politische Bildung in den Medien niedergemacht, nur weil er alle zum Dialog eingeladen hat und dafür Räume zur Verfügung stellte?

    Meiner Meinung nach geht es hier auch um Macht. CDU und CSU können nicht alleine regieren. FDP ist weg. Auf lange Zeit können sie nicht ständig mit der SPD. Nun kommen AfD und Pegida und nehmen ihnen Wählerstimmen weg. Also wir der ganze einheitliche Medienrummel inklusive Demoverbot und an den Haaren herbeigezogenen Anklagen und Verunglimpfungen gegenüber einer nicht mit den Medien vertrauten Menschenmenge gestartet. Wäre das nicht auch denkbar?

    Man sollte auch unsere Medien kritisch hinterfragen und nicht alles kommentarlos hinnehmen. Warum werden wir nicht über Pegida aufgeklärt? Warum setzt sich in den Medien kaum jemand wirklich argumentativ auseinander ohne Scheuklappen? Es werden immer nur Behauptungen aufgestellt und Schlagwörter gebetsmühlenartig wiederholt, damit sie im Gehirn festsitzen und anerkannt werden. Warum weiß fast niemand, dass am Verbotswochenende dennoch ein Zeichen gesetzt worden ist – mit Hupkonzert und Lichter in den Fenstern? Warum kennt niemand den Wortlaut ihrer Reden uns zwar komplett – und nicht nur das was ins Schema bzw, dem Mainstream passt.

    Du kannst gerne kritisieren. Ich finde es auch gut, dass du dazu deine Meinung sagst. Aber manche Argumente sind eher an den Haaren herbeigezogen. Ich sage nicht, dass ich mit allem einverstanden bin. Aber manch ein Punkt des Positionspapiers hat irgendwie seine Berechtigung. Ob die Leute das nun wahr haben wollen oder nicht. Es läuft nicht alles rund bei uns. Wenn die Zahlen der Einwanderer und der Asylanten zunimmt (und das ist ja kriegsbedingt der Fall) dann kann ich die anstehenden Probleme eben nicht mit dem selben Personal abdecken. Politik muss darauf reagieren – und scheinbar ist das beim Bürger so nicht angekommen, denn sonst würde ja niemand auf die Straße gehen. Betont gewaltfrei, wohlgemerkt. Dazu ruft Pegida immer wieder auf. Nur interessiert das einige Gegendemonstranten nicht. Linke wie rechte Chaoten wollen einfach nur Gewalt demonstrieren – und sie tun es auch. In der Presse wird das ja so nicht eindeutig dargestellt. Hier wird verallgemeinert und behauptet. Einen Gegenbeweis kann niemand nicht liefern – Auftrag erfüllt.

  2. Hallo,
    erst einmal danke für deinen Kommentar. Da meine Antwort etwas ausführlicher ausgefallen ist, poste ich sie als Beitrag. Ich möchte dich nicht überzeugen – auch nicht verurteilen, sondern dir einfach erklären, warum ich diese Bewegung nicht mag.

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