Die wunderbare Welt des modernen Menschen

Was leben wir doch in einer fantastischen Welt. Eine Welt, in der ein Mann keinen Porsche mehr fahren muss. Es gibt ja massenhaft Angebote von Penisverlängerungen. Man braucht nur sein E-Mail-Postfach zu öffnen. Ich frage mich nur, wie die das machen. Wird der Penis in der Mitte durchtrennt und ein Teil eingefügt? Wird die Verlängerung vielleicht sogar drangeflanscht? Oder gibt es da Silikonkissen für eine monströse Eichel? Bekommt man obskure Wachstumshormone? Und wie viel kostet der Spaß? Bezahlt man nach Zentimeter oder gibt es auch Discounter, die Meterware anbieten?

Nicht weniger interessant ist das Angebot von Sandra92, die mich immer wieder einlädt zu ihrer F*ckparty. Was bedeutet eigentlich die Zahl hinter dem Namen? Geburtsdatum oder Alter? Das Ganze wirkt ziemlich anonym. Aber gerade das, scheint dem modernen Menschen zu gefallen. Warum sonst gibt es die Nachmitternachts-Werbung über Frauen mit einem schlechten Namensgedächtnis. Nein, ich bin nicht Mark! Ich kenne den. Der sieht ganz anders aus als ich!

Was passiert, wenn man dort anruft? Ist das nur die Falle einer feministischen Frauengruppe und am Telefon meldet sich eine Stimme, die einem als elendes Chauvinistenschwein beschimpft? Oder noch schlimmer – die Werbung ist ernst gemeint. Gibt es wirklich Männer denen es egal ist, ob die Frau, mit der sie schlafen, ihren Namen kennt? Scheint so. Andernfalls könnte man ja ein Namensschild tragen, um die peinliche Situation zu umgehen.

Fakt ist, Männer müssen immer wollen und immer können. Wer da überfordert ist, für den hält die Pharmaindustrie Viagra bereit. Früher musste man sich mit Spanischen Fliegen, gemahlenem Nashorn oder Hoden von irgendwelchen Tieren auf Vordermann bringen. Heute geht das mit dem Wirkstoff Sildenafil. Wir danken der Chemie, dass sie uns von diesen wenig appetitlichen Naturprodukten befreit hat.

In der modernen Wirtschaft werden Wertpapiere, die eigentlich keinen Wert mehr haben, in sogenannten Bad Banks ausgelagert. Was die etwas zu voluminös geratenen Körperstellen angeht, funktioniert das leider bisher noch nicht. Wer auf Fettabsaugen verzichten will und damit einen Bauch oder Po verhindert, der einige Jahre später an die Toscana erinnert mit ihren Hügeln und Tälern, für den gibt es eine andere Lösung. Benutzte man in früheren Zeiten noch Korsetts, die mühsam von der Kammerzofe gebunden werden mussten, greift die moderne Frau zu figurformender Unterwäsche. Aus einem Elefantenpopo wird im Nu ein knackiges Hinterteil. Aus einem schwangerschaftsähnlichen Schwabbelgebilde wird ein flaches Bäuchlein. Und auch die Nilpferdtaille schrumpft zu einem wespenähnlichen Körperabschnitt. Sogar gegen die nicht sonderlich beliebte Orangenhaut gibt es Cellulite-Leggins. Die Frage ist nur, was passiert, wenn sich die Frau wieder auszieht?

Und was macht der moderne Mann mit seinen Problemzonen? Er trainiert. Dank diverser Hometrainer, muss er nicht einmal einen Fuß vor die Tür setzen. Da gibt es die tollsten Geräte, die von muskulösen Kerlen angepriesen werden. Mit verrenkenden Bewegungen stärkt man Bauch-, Brust und Rückenmuskulatur. Man lässt Bi- und Trizeps wachen, formt Gesäß und Oberschenkel. Für jeden Muskel gibt es das passende Gerät zu einem unschlagbaren Preis. Tiger, Wonder Core, 5-Minutes-Shaper und wie sie alle heißen. Wahrschlich gibt es auch ein Gerät, dass die Nasenflügelmuskulatur trainiert. Schluss mit dem billigen Joggen, wo man nur ein paar gute Schuhe braucht. Ab jetzt wird mit dem Muskeltrainingsgürtel der Waschbrettbauch herausvibriert!

Der moderne Mensch gibt gerne Geld aus. Doch für die meisten besteht das Problem darin, dass die Zeit, die sie aufwenden müssen, um es zu verdienen, weit größer ist, als die Zeit, die sie benötigen, um es auszugeben. In diesem Punkt gibt es sicher noch Nachbesserungsbedarf.

Aber mal ehrlich, wir sind doch alle Geldvernichtungsmaschinen. Ein Beispiel:

Es wird alles dafür getan, uns das Leben bequemer zu machen. Wir bezahlen Geld dafür, um einen Fernseher mit Fernbedienung ergattern. Da müssen wir nicht mehr vom Sofa aufstehen, wenn wir das Ding steuern wollen. Wir bezahlen Geld dafür, ein Tablet anzuschaffen. Damit können wir vom Sofa aus einkaufen. Wir bezahlen Geld dafür, uns ein Smartphone zuzulegen, damit schreiben wir vom Sofa aus Nachrichten, steuern das Licht und die Heizung und was weiß ich noch alles. Wir bezahlen Geld dafür, ein Auto zu besitzen, das wenige Schritte von unserer Haustür entfernt steht und mit dem wir Strecken bewältigen, die länger als 250 m sind. Das sind alles Annehmlichkeiten, für die wir jede Menge Euro ausgeben. Und dann – dann werden wir krank, gehen zum Arzt und der sagt uns: „Sie müssen sich mehr bewegen!“ Prima. Jetzt geben wir wieder Geld aus, melden uns in einem Fitnessstudio an. Natürlich schaffen wir uns vorher noch die hippste Kleidung an, die es zur Zeit für Sport gibt.

Kurz gesagt, wir zahlen Geld dafür, uns nicht mehr so viel bewegen zu müssen, nur um dann aus gesundheitlichen Gründen Geld dafür zu zahlen, dass wir uns mehr bewegen.

Das alles ist so wunderbar. Denn ohne dieses Phänomen läge die gesamte Wirtschaft längst in Trümmern. Und das ist ja wohl der Super-GAU, vor dem die meisten Menschen Angst haben.

Noch so ein heikles Thema: die Gesundheit. Non-Vegetarier (Fleischfresser) , Flexitarier, Vegetarier, Veganer. Inzwischen tummelt sich eine Vielzahl unterschiedlicher Glaubensanhänger in unserer Gesellschaft. Der moderne Mensch muss sich positionieren. Nimmt er die Massentierhaltung billigend in kauf oder kehrt er dem Fleischgenuss den Rücken. Pech für den Salat. Der hat keine Augen, um uns angstvoll anzuschauen, wenn wir ihn abschneiden. Er hat auch keine Stimme, die er in diesem Moment des Sterbens benutzen kann. Das macht vieles einfacher. Es ist ein Dilemma: Wir leben immer auf Kosten von anderen Lebewesen.

Wenigstens gibt es Geräte, die einem zu gesunder Ernährung verhelfen. Wie z. B. der „Fitmix“. Damit wird sämtliche Nahrung zu einem Drink. In der Pflege nennen wir so etwas “Passierte Kost” und die bekommen in der Regel Leute, die keine Zähne mehr haben. Nun wird uns in unzähligen Werbefilmen erklärt, wie gesund dieser Brei ist. Da werden Vitamine mit einem schnell rotierenden Messer aufgeschnitten, damit wir sie besser aufnehmen können. Demnächst wird jeder der kaut als altmodisch oder Ewig-Gestriger bezeichnet. Das ist ja auch ganz in Ordnung, dass wir uns an diese Kostform gewöhnen – nicht, weil uns demnächst die Zähne ausfallen – nein, wir planen ja einige Reisen im Weltall. Und dort ernährt man sich doch von Tubennahrung, oder?

Ach es gäbe noch tausend Dinge, die ich erwähnen könnte, tausend Dinge, die es in unserer wunderbaren modernen Welt gibt. Schokoweihnachtsmänner im August, Ostereier das ganze Jahr, jeden Monat irgendwo einen „Sale“. Doch ich muss nun diesen Beitrag schließen, ich will mir beim Autohändler einen Porsche ansehen…

 

 

 

 

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